Besuch der DMZ in Südkorea – Lohnt sich das wirklich?

Was ist die DMZ überhaupt?

Die DMZ, die demilitarisierte Zone (oder englisch: demilitarized zone) ist ein etwa 250 Kilometer langer und 4 Kilometer breiter Streifen, der die koreanische Halbinsel seit dem Ende des Koreakrieges 1953 in Nord- und Südkorea teilt. Genau in der Mitte verläuft die Militärische Demarkationslinie (oder Military Demarcation Line, MDL), die die eigentliche Grenze zwischen den beiden Staaten bildet.

Der Name ist ein bisschen irreführend. Die DMZ gilt heute als eine der am stärksten militarisierten Grenzen der Welt – vollgepackt mit Stacheldraht, Landminen und Panzersperren auf beiden Seiten. Ohne Reisepass und Kontrollen an mehreren Checkpoints kommt niemand in die DMZ.

Trotzdem, oder vielleicht genau deswegen, zieht diese bizarre Sehenswürdigkeit jedes Jahr Hunderttausende Touristen an. Ganz nebenbei hat sich die DMZ in den letzten Jahrzehnten zu einem unberührten Naturparadies u.a. für Kraniche und Geier entwickelt – und auch das soll jetzt durch Wanderwege und einen Radweg touristisch erschlossen werden.

Bronzeskulptur von drei Figuren, die einen großen Stein tragen, unter blauem Bogen, koreanische Flagge im Hintergrund.
Das wurde man ausnahmsweise fotografieren – Kunst zur Teilung Koreaas

Wie kann man die DMZ von Seoul aus besuchen?

Die kurze Antwort: nur mit einer organisierten Tour. Ein Versuch, einfach dem Auto hinzufahren und sich die Gegend auf eigene Faust anzuschauen, würde spätestens an den Militärkontrollpunkten gestoppt.

Am einfachsten ist es, sich einer der vielen täglich startenden Bustouren ab Seoul (von den Metro-Stationen Myeongdong, City Hall oder Hongik University) anzuschließen. Abfahrt ist je nach Tour ungefähr zwischen 7:30 und 9:30 Uhr.

Mehrere bunte Reisebusse parken auf einem Parkplatz vor modernen Gebäuden unter blauem Himmel.
Unzählige Busse machen sich täglich auf den Weg in die DMZ

Auf keinen Fall darf man seinen Reisepass vergessen, sonst geht es an den Kontrollpunkten nicht weiter. Buchbar sind die Touren, die je nach Jahreszeit zwischen 25 und um die 40 Euro kosten, bei diversen Anbietern, z.B. bei Klook (* Afilliate-Link) direkt online.

Eine Alternative war für einige Jahre der Zug ab Yongsan Station bis Dorasan Station, der sogenannte DMZ Peace Train. Allerdings ist dieser Betrieb derzeit eingestellt und es ist unklar, wann oder ob er wieder aufgenommen wird.

Bunte Großbuchstaben DMZ vor einer Monorail-Station mit Flaggen und Bäumen unter blauem Himmel
Willkommen in der Demilitarisierten Zone

Was gibt es zu sehen?

Peace Park und Defector-Fragestunde

Ein erster Halt ist der Peace Park – und der ist optisch wenig spektakulär. Ein Empfangsgebäude mit ein paar Informationen zur DMZ, Shops (u.a. wird dort nordkoreanisches Geld zu überteuerten Preisen verkauft) und eine verrostete Lokomotive aus dem Koreakrieg.

Nahaufnahme einer zerstörten historischen Dampflokomotive mit Nieten
Überreste des Krieges in der DMZ

Was sich aber wirklich lohnt, ist die Fragestunde (auf englisch) mit einer nordkoreanischen Überläuferin: rund 30 Minuten mit echten Einblicken in den Alltag in Nordkorea und die oft schwierige Anpassung ans Leben im Süden.

Das ist der menschlichste Moment der ganzen Tour, der die Teilung Koreas und die Lage in Nordkorea viel besser erklärt als die alles andere. Wer das Gespräch nicht vorab über seinen Touranbieter gebucht hat, kann es häufig noch vor Ort dazu buchen – ich kann es nur wärmstens empfehlen.

Infiltrationstunnel Nummer 3

Mitte bis Ende der 1970er Jahre hat Nordkorea versucht, Infiltrationstunnel unter der DMZ bis nach Südkorea zu graben. Zu besichtigen ist der Tunnnel Nummer 3, der 1978 entdeckt wurde und dessen Ausgang nur 44 Kilometer von Seoul entfernt liegt.

Nordkorea hat damals geleugnet, diesen Tunnel in den Granitfels gesprengt zu haben und behauptete, es handele sich um eine Kohlemine. Blöd nur, dass keine Kohle zu finden war.

Informationstafel mit illustriertem Querschnitt eines Tunnels und mehrsprachigen Texten an einer Tourismusattraktion
So sah der Tunnel aus

Den Besuch des Tunnels kann man sich durchaus als Cardio-Einheit anrechnen. Wenn man Jacken und Smartphones (die im Tunnel strengstens verboten sind) weggeschlossen hat, geht es zunächst 70 Meter in die Tiefe, dann eine 530 Meter lange, relativ steile Rampe hinunter (und später natürlich auch wieder hinauf. Und dann weitere 235 Meter durch einen engen Tunnel.

An der höchsten Stelle ist dieser Tunnel 1,95 Meter hoch, den größten Teil des Weges läuft man allerdings gebückt. Die Helmpflicht ist hier durchaus ein Vorteil. Am Ende stößt man auf eine Betonwand kurz vor der Military Demarcation Line. Zu sehen gibt es also eigentlich nichts.

Eingang zum nordkoreanischen Infiltrations-Tunnel mit Zebrastreifen und moderner Architektur unter blauem Himmel.
Eingang zum Infiltrationstunnel

New Dora Observatory

Von hier aus kann man – bei gutem Wetter – mit Ferngläsern einen Blick nach Nordkorea werfen. Zu sehen ist unter anderem ein nordkoreanisches Dorf mit einem 150 Meter hohen Fahnenmast – dem angeblich höchsten der Welt. Das Dorf gilt als „Potemkinsches Dorf“: Die Häuser stehen zwar, sind aber offenbar unbewohnt. Es wurde zu reinen Propagandazwecken gebaut, um Wohlstand in Nordkorea vorzutäuschen.

Ebenfalls im Blickfeld liegt das Areal des Gaeseong Industrial Complex, einer früheren gemeinsamen Industriezone, in der südkoreanische Unternehmen produzierten – mit nordkoreanischen Arbeitern für ein Monatsgehalt von gerade einmal 38 US-Dollar. Nach zunehmenden politischen Spannungen zwischen beiden Staaten wurde der Komplex 2016 wieder geschlossen.

Fotos sind in diesem Bereich verboten, damit keine Bilder in sozialen Netzwerken landen, die Nordkorea militärisch sensible Informationen preisgeben könnten.

Rostiger Metallschrott vor hohem Metallzaun mit Stacheldraht unter blauem Himmel
Symbolbild: Fotografieren war am Observatory streng verboten

Dorasan Station

Hier haben wir nicht gehalten, sondern sind nur vorbeigefahren. Die Dorosan Station ist der nördlichste Bahnhof Südkoreas, gebaut als Symbol der Hoffnung auf eine mögliche Wiedervereinigung. Die Gleise führen Richtung Norden und sollten irgendwann mal bis nach Pjöngjang und weiter nach Peking und Moskau führen. Derzeit endet die Strecke hier.

Bahnschwellen mit Kiesbett und Informationstafeln in asiatischem Schriftzeichen an einem Naturweg oder Park.
Die Bahnstrecke Richtung Norden ist aktuell stillgelegt

Unification Village

Auf dem Rückweg hält man noch kurz im Unification Village, einem kleinen Ort direkt in der Civilian Control Zone. Die Bewohner bauen dort Reis, Obst und Ginseng an – sie dürfen hier leben, weil ihre Familien schon vor dem Krieg hier lebten. Das (einkommensteuerfreie) Geschäft mit den Touristen scheint den Nachteil, so nah an Nordkorea zu leben und keine Nachbarn zu haben, auszugleichen.

Pittoresk ist hier nichts, sondern ehrlich gesagt ziemlich öde und überlaufen.

Bronzeskulptur eines Kindes auf einem Rind unter einer blütengeschmückten Laube aus weißen Blüten.
Mehr gibt es im Unification Village nicht zu sehen

Was die Touren noch anbieten

In manchen etwas umfangreicheren Touren werden zusätzlich noch die Majang Lake- oder die Mount Gamaksan-Hängebrücke in der Gegend angefahren. Ob das nötig ist, muss jeder selbst entscheiden – es hat mit dem Thema DMZ nichts zu tun und mein Eindruck war, dass diese Programmpunkte nur aufgenommen werden, um sich etwas von anderen Touren zu unterscheiden.

Holzsteg mit Holzgeländern führt über hügelige Landschaft mit kahlen Bäumen unter blauem Himmel
Keine Hängebrücke, sondern eine der vielen Brücken, die in der DMZ nicht mehr nach Norden führen

Was wird nicht besucht?

Die berühmten hellblauen Hütten direkt an der Demarkationslinie – die Joint Security Area (JSA) bei Panmunjom – sind seit 2023 für Touristen geschlossen und werden es wohl auch bleiben.

Der Grund dafür ist ein Mann: Der US-Soldat Travis King, dem in die unehrenhafte Entlassung vom Militärdrohte, schloss sich im Juli 2023 einer Bustour zur DMZ an und desertierte dann über die Demarkationslinie nach Nordkorea. Er wurde von den nordkoreanischen Soldaten aufgegriffen und nach mehr als zwei Monate schließlich ausgewiesen.

Das soll sich nicht wiederholen. Seitdem ist die Joint Security Area off limits.

Das ist sehr schade. Ich hatte diesen Bereich bei einer Nordkoreareise im Herbst 2011 besucht und fand es sehr beeindruckend an der einzigen Stelle zu stehen, an der Nord- und Südkorea wirklich zusammentreffen.

Architekturmodell einer urbanen Platzanlage mit Gebäuden, Grünflächen und temporären Strukturen in einer Ausstellung.
Die Joint Security Area bekommt man nur noch als Modell zu sehen

Was darf man fotografieren?

Kurze Antwort: wenig. Absolute Fotografierverbote gelten am New Dora Observatory, in den Tunneln und rund um militärische Anlagen. Die Tourguides weisen immer wieder darauf hin und man sollte das ernst nehmen.

Blick über eine Brücke mit Metallgeländer auf ausgedehnte Weideflächen, Strommasten und bewaldete Hügel unter blauem Himmel.
Blick ins Niemandsland zwischen Nord- und Südkorea

Fazit: Lohnt sich eine DMZ-Tour ab Seoul?

Ja, wenn man mit realistischen Erwartungen herangeht.

Die DMZ ist kein klassisches Sightseeing. Sie ist ein Ort, an dem Geschichte sehr direkt spürbar wird: die eingefrorene Teilung eines Landes, die Absurdität eines Waffenstillstands, der seit 70 Jahren gilt, aber nie zu einem Friedensvertrag führte. Die Fragestunde mit der Überläuferin, der enge Tunnel tief unter der Erde, der Blick auf das Propagandadorf – das sind Momente, die hängenbleiben.

Was weniger beeindruckt: Teile der Tour fühlen sich sehr touristisch und manchmal mehr nach Ginseng-Verkaufsfahrt an. Und wer die Joint Security Area besuchen wollte, kommt seit 2023 nicht mehr an diesen Höhepunkt heran.

Wer in Seoul ist und sich für Geschichte und Geopolitik interessiert und ein gewisses Faible für seltsame Orte hat, sollte dennoch unbedingt in die DMZ fahren.

Gedenkstein mit koreanischer Schrift neben einem alten Baum unter blauem Himmel
Denkmal für die Teilung Koreas