Seouls Königspaläste: Beeindruckend, aber müssen es wirklich alle fünf sein?

Alte Paläste im modernen Seoul

Seoul ist eine hypermoderne Stadt aus Glas und Stahl, dazwischen gibt es aber kleine Inseln, in denen die Zeit stehen geblieben zu sein scheint: mit Palästen, die wie Tempel wirken, und wenigen verbliebenen sogenannten Hanok Villages.

Traditionelle asiatische Architektur mit geschwungenen Dächern, Holzgebäuden und roten Herbstblüten unter blauem Himmel.
Für Touristen schön zurecht gemachte Häuser

Das Bukchon Hanok Village

Hanoks sind die alten traditionellen Wohnhäuser mit geschwungenen Giebeldächern, die bis zum 20. Jahrhundert in Korea Standard waren. In Seoul haben sie nur in wenigen Vierteln überlebt und sind auch deswegen eine Touristenattraktion.

Hinweisschild in koreanischer und englischer Sprache mit Piktogramm für ein Wohngebiet mit eingeschränkten Besuchszeiten für Touristen.
Gute Idee: Touristen sind hier nur zu bestimmten Zeiten erlaubt

Da die Hanoks nach ihrer Renovierung und Modernisierung weiterhin bewohnt werden, sind die entsprechenden Viertel vor zu viel Tourismus geschützt. Besucht werden dürfen die Hanok Villages nur zu bestimmten Zeiten, um den Bewohnern ansonsten ihre Privatsphäre zu lassen.

Ich war im Bukchon Hanok Village. Die Häuser sind ganz hübsch anzuschauen, beeindruckend ist das Meer der Dächer, was man an der einen oder anderen Stelle überblicken kann.

Blick über traditionelle Dächer mit geschwungenen Ziegeln einer ostasiatischen Altstadt bei klarem Himmel
Blick über die „Altstadt von Seoul“

Wer zwischendurch einen guten Kaffee trinken möchte, kann dies im Bukchon Asian Cultural Art Museum tun. Als Museum selbst ist es allerdings nur mäßig interessant und die Aussicht von der Dachterrasse auch nicht überzeugend. Bessere Aussichtspunkte findet man meiner Meinung nach an verschiedenen Stellen an der Gahoe-dong Alley.

Nähere Informationen zu Bukchon, aber auch den anderen Hanok Villages – u.a. auch zu Übernachtungsmöglichkeiten in den traditionellen Häusern – gibt es auf dieser Website.

Traditionelles Gebäude mit geschwungenen schwarzen Dächern, roten Ziegeln und verziertem Eingang unter blauem Himmel
Schön renovierte Gebäude im Hanok Village

Die alten Königspaläste in Seoul

In Seoul sind seit dem 14. Jahrhundert mehrere große Palastanlagen entstanden, die meist nicht mehr original, sondern nur Nachbauten sind – der japanischen Kolonialgeschichte in Korea wegen.

Für mich sahen die Paläste alle ziemlich gleich aus. Hübsch mit ihren reich verzierten Dachgiebeln und dem bemalten Holz im Inneren, aber irgendwie auch austauschbar. Spannend ist eher zu sehen, wie sich die Tempelanlagen wie Inseln in der modernen, sich immer weiter ausbreitenden Stadtlandschaft gehalten haben.

Blick durch rotes Holztor auf traditionelles asiatisches Gebäude mit geschwungenenem Dach in Innenhofanlage.
Das Myeongjeongmun Gate beim Changgyeonggung-Palast

Welche Bedeutung die Paläste für Südkorea haben, zeigt sich auch daran, dass die Boyband des K-Pop, BTS, das Ankündigungsvideo ihrer Rückkehr (nach dem obligatorischen Militärdienst) auf dem Gelände des Gyeongbokgung-Palasts gedreht und vor dessen Eingang auch das erste Konzert gespielt hat.

Traditionelle asiatische Tempelanlage mit aufgestuften Dächern, Steinbalustrade und modernen Hochhäusern im Hintergrund. Besucher in traditioneller Kleidung auf dem Platz.
Der Gyeongbokgung-Palast liegt am Rande der Innenstadt

Gyeongbokgung-Palast

Der große Königspalast (Baubeginn Ende des 14. Jahrhunderts) war bis 1592 der Hauptpalast der koreanischen Könige und war nach der Einnahme Seouls und der Zerstörung durch die Japaner im Jahr 1592 für fast 300 Jahre nur eine Ruine.

Blick durch ein verziertes Tor auf ein asiatisches Palastgebäude mit geschwungenen Dächern und Besucher auf dem Platz.
Große Touristenattraktion: der Gyeongbokgung-Palast

Erst 1865 wurde der Gyeongbokgung-Palast wieder aufgebaut – um nur wenig später unter japanischer Besatzung wieder zerstört zu werden. Das heutige Aussehen stammt aus Renovierungen seit den 1990er Jahren – es ist also mehr Historismus als echte alte Bausubstanz.

Traditioneller ostasiatischer Tempel mit aufwendig verziertem Holzdach, roten Säulen und farbenfrohen Deckenmalereien in Gold und Grün.
Bunt bemalte Decke im Inneren des Tempels

Dem Gwanghwamun-Tor (im Jahr 2010 wiedereröffnet), dem Haupteingang zum Palastkomplex, sieht man die Moderne (mit Beton statt Holz) an und der Rest ist auch etwas zu perfekt. Trotzdem ist der Gyeongbokgung-Palast bei Touristen und Einheimischen beliebt. Wer in traditioneller koreanischer Tracht kommt, muss keinen Eintritt bezahlen.

Traditionelle ostasiatische Pagode mit mehreren Dächern und verziertem Dachgesims, davor großer Platz mit Besuchern in historischen Gewändern.
Sehr beliebt: traditionelle Kleider ausleihen und sich dann stundenlang vor den Tempeln fotografieren

Man kann bei vielen Läden in der Umgebung entsprechende Kleidung ausleihen und man muss fast schon aufpassen, nicht ständig in die Foto-Shootings anderer Touristen zu laufen.

Traditionelles asiatisches Tempelgebäude mit geschwungenen Dächern, Besuchende in historischen Gewändern auf dem Platz vor dem Eingang.
Vieles am Gyeongbokgung-Palace ist nicht mehr original…

Mich hat der Palast mit seinen zahlreichen Empfangshallen und königlichen Wohngebäuden nicht so richtig gepackt. Den sechseckigen Hyangwonjeong Pavillon auf einer kleinen Insel in einem Teich fand ich hingegen ganz hübsch.

Gefrorener See mit traditionellem asiatischem Pavillon, Steinbrücke und Bergen im Hintergrund bei klarem Himmel
Pagode auf kleinem See

Deoksugung-Palast

Der Deoksugung-Palast war ursprünglich nur eine Villa eines Prinzen, wurde aber nach der Zerstörung zahlreicher Paläste 1598 zum Palast hochgestuft und war zwischen 1897 und 1910 auch der Hauptpalast des Kaiserreichs Korea.

Traditionelles ostasiatisches Tempelgebäude mit roten Türen, geschwungener Dachkante und Steinmauer im Vordergrund.
Und noch ein Palast: der Deoksugung-Palast

Hier wurde auch das Kaiserreich Korea proklamiert und der Palast galt damals als Zeichen der Modernisierung. Das habe ich so nicht erkennen können, aber ich habe auch offensichtlich auch kein Auge für koreanische Architektur.

Während und nach der japanischen Besetzung wurden große Teile des Parks rund um den Palast verkauft (und bebaut), so dass heute nur noch ein Drittel der Fläche zur Verfügung steht.

Auch das Daehanmun Gate, an dem man heute mehrfach täglich den zeremoniellen Wachwechsel beobachten kann, ist nicht mehr an seiner originalen Stelle. Es wurde in den 1970er Jahren an die palastmauer versetzt, die nach dem Koreakrieg mehrfach für Straßen(aus)bauprogramme verschoben wurde.

Changdeokgung- und Changgyeonggung-Palast

Der Lonely Planet bezeichnet den Changdeokgung-Palast als den schönsten der Paläste in Seoul. Für mich war es der dritte Palastkomplex, den ich besichtigt habe und es war gefühlt „more of the same“. Seine Besonderheit ist, dass die Gebäude harmonisch in die Park- und Berglandschaft eingefügt sind.

Traditionelle asiatische Pagode mit roten Wänden und geschwungenen Dächern auf großem Platz
Der Injeongjeon, die Hauptthronsaal-Halle des Changdeokgung-Palastes

Der Changdeokgung-Palast liegt nur anderthalb Kilometer vom Gyeongbokgung-Palast entfernt und stammt ursprünglich aus dem 15. Jahrhundert. Auch er wurde bei der japanischen Invasion in den 1590er Jahren teilweise zerstört, schnell wieder aufgebaut und war bis 1868 der Regierungssitz, während der Gyeongbokgung-Palast wieder aufgebaut wurde. Zusammen mit dem Changgyeonggung-Palast bildet er auf einem Areal gewissermaßen ein Double-Feauture an Palästen.

Traditionelles asiatisches Gebäude mit rotem Holzrahmen, grünen Türen und verziertem Dach in einem ruhigen Innenhof mit kahlem
Ruhe im Innenhof

Der Changdeokgung-Palastkomplex ist heute viel kleiner als vor der japanischen Besatzung zwischen 1910 und 1945, als dutzende Gebäude abgerissen wurden. Nur knapp ein Drittel aller ursprünglichen Palastgebäude ist wieder aufgebaut oder renoviert. Aktuell besteht besteht Changdeokgung aus 13 Gebäuden und 28 Pavillons in den angrenzenden Gärten. Die ehemalige Königs- und Kaiserfamilie lebte hier übrigens noch bis 1989.

Der Changgyeonggung-Palast (ursprünglich aus der Mitte des 15. Jahrhunderts) wurde zur japanischen Kolonialzeit ebenfalls stark verkleinert und auf seinem Gelände sogar ein Zoo eingerichtet, der erst 1983 an den Stadtrand von Seoul verlegt wurde.

Traditionelle asiatische Tempelanlage mit geschwungenen Dächern in parkähnlicher Landschaft mit modernen Hochhäusern im
Bis 1983 war dieses Palastgelände zum Teil noch ein Zoo

Muss man alle Königspaläste in Seoul sehen?

Man muss meiner Meinung nach nicht alle fünf Paläste in Seoul anschauen – ich war mit den drei bis vier oben genannten schon am Rande meiner Aufnahmefähigkeit.

Für das ungeschulte Auge sehen sich die Paläste bzw. die Palastkomplexe, die aus unzähligen Toren, Empfangsgebäuden und Wohngebäuden bestehen, doch zu ähnlich.

Ich empfehle daher, sich von dem Gedanken zu befreien, irgendetwas besichtigen „zu müssen“, sondern sich lieber dem modernen Korea zuzuwenden.

Traditionelle asiatische Tempelanlage mit gelben Dachziegeln, roten Mauern und kahlen Bäumen im Innenhof
Auf dem Weg zum Myeongjeongmun-Gate