Unterwegs in Wrocław

Breslau (polnisch: „Wrocław“) ist die eine der Städte, in denen man einfach nur mit offenen Augen umherläuft. Es gibt viele schöne Sehenswürdigkeiten zu entdecken – und unzählige Zwerge zu sehen (s. Highlight Nummer 2).

Und wenn es im Hochsommer tagsüber zu heiß wird – morgens um 7 Uhr ist noch kaum jemand unterwegs, da hat man viele Plätze noch fast für sich allein. Perfekt, um sich erst umzuschauen, dann zu frühstücken – und dann erstmal Mittagsschlaf zu machen…

Blick auf eine Bogenbrücke, im Vordergrund ein gelbes Ausflugsboot
Die Tiergartenbrücke

Die Highlights von Breslau

Top 1:
Rynek mit Rathaus 

Marktplätze müssen ja offensichtlich immer mit Superlativen belegt werden. Dieser hier ist leider nur der zweitgrößte Polens (nach Krakau). Die Häuser sind ein unter Mix der Baustile über die Jahrhunderte von Gotik bis Jugendstil.

Das Rathaus punktet mit einer großen Uhr aus Lärchenholz, die nicht nur die Uhrzeit, sondern auch die Mondphasen anzeigt – wofür auch immer das von Vorteil ist. Gut, für Werwölfe ist das natürlich mega-praktisch.

Das Gebäude selbst zeigt auch den Wandel und verschiedene Ausbaustufen mit einer Mischung aus Gotik und Renaissance.

Das Rathaus mit seinen vielen verschnörkelten Türmen
Das Rathaus im Morgenlicht

Top 2:
Zwerge finden 

Eine Besonderheit von Breslau sind die Zwerge (polnisch: „Krasnale“), die als – natürlich – kleine Statuen überall über die Stadt verteilt stehen. Die mittlerweile fast 600 Zwerge sind aus Bronze und etwa 30 Zentimeter hoch.

Gestartet sind die Zwerge 2001 als Kunstprojekt Breslauer Studenten. Sie knüpften an Aktionen der OppositionsbewegungOrange Alternative„, die in den 80er Jahren mit Aktionen – wie zum Beispiel Demonstrationen in Zwergenkostümen – Kritik an der kommunistischen Regierung übten. Sie stellten damals auch einen gusseisernen Zwerg in der Altstadt Breslaus auf.

Heute sind die Zwerge natürlich ein beliebtes Fotomotiv von Touristen, da jeder Zwerg ein Unikat ist. Angeblich gibt es bei der Touristeninformation auch Karten mit den Standorten aller Zwerge.

Bei 600 Stück wäre man da allerdings eine Weile mit dem Fotografieren beschäftigt, wenn man Wert auf eine vollständige Sammlung legt.

Top 3:
360-Grad-Blick

Vom Turm der St. Elisabethkirche (Eintritt: 10 Złoty, ca. 2,25 Euro) hat man – nach einem schweißtreibenden Aufstieg – einen tollen Blick auf Breslau – und natürlich auch auf den Rynek.

Blick durch die Balustrade vom Kirchturm auf Marktplatz und Rathaus
Das Rathaus von oben

Top 4:
Hauptbahnhof

Der Breslauer Hauptbahnhof (polnisch: „Wrocław Główny„) wurde Mitte der 1850er Jahre für die Oberschlesische Eisenbahn gebaut und lag damals noch am Südrand der Stadt. Schon um die folgende Jahrhundertwende musste der Bahnhof umgebaut werden, um verschiedene Eisenbahnstrecken miteinander zu verbinden.

Heute ist es – nach einer von der EU großzügig geförderten Renovierungsphase von 2010 bis 2012 – wahrscheinlich der schönste Bahnhof Polens.

Die Seiten der Bahnhofshalle sind zum Teil mit Buntglas versehen, so dass sich das Sonnenlicht in grün auf dem Hallenboden bricht. Und die mehrschiffige Bahnsteighalle vermittelt die Grandezza alter Bahnhofskathedralen.

Ein Besuch zum Staunen lohnt sich, auch wenn man gar nicht Bahnfahren will.

Blick auf das Eisengitter eines Treppenaufgangs in die Bahnsteighalle
Hier macht Bahnfahren noch Spaß

Top 5:
Bootsfahrt vom Zoo in die Innenstadt

Sich umschauen und nicht laufen müssen – das geht hervorragend mit einer kleinen Bootsfahrt. Ich kann die etwa halbstündige Fahrt vom Zoo – bei der Jahrhunderthalle um die Ecke – bis in die Innenstadt empfehlen (15 Złoty, ca. 3,40 Euro).

Anleger und Ausflugsboot auf der Oder
Auf dem Boot findet man übrigens auch einen Zwerg

Top 6:
Jahrhunderthalle 

Die Breslauer Jahrhunderthalle  (polnisch: „Hala Stulecia“) ist ein weiteres architektonisches Highlight der Stadt. Sie gehört seit 2006 auch zum Weltkulturerbe der UNSECO.

Gebaut wurde diese Veranstaltungshalle von 1911 bis 1913 als Kuppelbau aus Stahlbeton. Die Kuppel war damals die größte in Deutschland und angeblich waren sich selbst die Bauherren nicht ganz sicher, ob die Konstruktion nicht zusammenbricht. Der Legende zufolge soll ein Passant mit einem Goldstück dazu überredet worden sein, die letzte Verschalung zu entfernen.

Den Namen verdankt die Halle dem hundertjährigen Jubiläum des Aufrufs „An mein Volk“, in dem der preußische König Friedrich Wilhelm III. um Unterstützung in den Befreiungskriegen gegen Napoleons bat.

Blick auf den Kuppelbau und das davor verlegte Kopfsteinpflaster
Die Jahrhunderthalle

Top 7:
Seilbahn über die Oder

In Hamburg ist ja vor ein paar Jahren der Bau einer Seilbahn über die Elbe an einem Bürgerentscheid im Bezirk Mitte gescheitert.

Breslau hingegen hat die Polinka, eine Seilbahn mit Gondeln, die in sieben Metern Höhe über die Oder schweben. Unter der Woche von 7 bis 21 Uhr, am Wochenende von 11 bis 18 Uhr kann man hier in zweieinhalb Minuten ans jeweils andere Ufer gelangen (Kosten: 3 Złoty, ca. 0,65 Euro).

Gondel der Seilbahn über der Oder
Elegant über die Oder

Top 8:
Die alten Kaufhäuser

Zwei alte Kaufhäuser sind auch heute noch in Betrieb und erinnern so an die große Zeit der repräsentativen Warenhausbauten. Es sind einfach architektonische Schmuckstücke.

Das ehemalige Warenhaus Wertheim (Ulica Świdnicka, Ecke Plac Tadeusza Kościuszki) – heute ist es das Kaufhaus Renoma – wurde von 1928 bis 1930 gebaut und hatte ganz nebenbei die ersten Rolltreppen Schlesiens.

Fast zur gleichen Zeit entstand das Warenhaus von Rudolf Petersdorff (Ulica Szewska 6/7). Es besticht als Eckhaus durch seinen Erkerturm, der auf die Straße hinausragt.

Top 9:
Breslauer Dom 

Ich habe ernsthaft irgendwo gelesen, Breslau sei wegen seiner vielen Brücken „das Venedig Polens“. Nun ja. Ein paar hübsche Brücken gibt es tatsächlich – vor allem rund um die Kathedraleninsel (Ostrów Tumski).

Mit dem Inneren habe ich als alter Kirchenverweigerer mich natürlich mal wieder nicht näher beschäftigt. ich achte mehr auf äußere Werte. Und da ist der Breslauer Dom – oder auch „Kathedrale St. Johannes der Täufer“ – mit seinen Zwillingstürmen schon ein Hingucker.

Auch diese Kirche wurde während des Zweiten Weltkriegs schwer beschädigt. Schrappnell-Einschläge sind auch heute noch zum Teil zu sehen.

Blick auf die Oder durch Bäume hindurch, im Hintergrund die Zwillingstürme des Breslauer Doms
Weithin sichtbar: Die Zwillingstürme des Breslauer Doms

Top 10:
Die Leute auf der Straße 

Ja, die Leute in Breslau sind auch sehr nett, aber hier meine ich eine Gruppe von Statuen. Etwa ein Dutzend Figuren in menschlicher Normalgröße gehen scheinbar auf der einen Straßenseite unter die Oberfläche des Bürgersteigs und kommen auf der anderen Seite wieder ans Tageslicht.

Dieses „Denkmal des anonymen Passanten“ wurde 2005 eingerichtet, beruht aber auf einer Installation des Künstlers Jerzy Kalina aus dem Jahr 1977. Dementsprechend tragen alle Figuren auch noch die Kleidung der 70er Jahre.

Świdnicka Ecke Piłsudskiego, Breslau

Und sonst so?

Eine der angeblich größten Sehenswürdigkeiten Breslaus, das Panorama von Racławice, ist bis zum zweiten Quartal 2021 wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. Mehr Infos gibt es hier

Es handelt sich hierbei um ein 15 m × 114 m großes Gemälde, das im Kreis aufgespannt ist und – wer wüsste es nicht – den Sieg der polnischen Armee über Russland in Schlacht von Racławice darstellt.

Fun Fact: Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es übrigens lange versteckt gehalten, weil Polen um eine Verschlechterung der Beziehungen zur Sowjetunion fürchtete, wenn man eine Niederlage Russlands ausstellt.

Besonders hübsch sind auch die Universitätsgebäude – da kann man auch mal entlangschlendern und in einem der vielen Cafés in der Gegend etwas ausruhen.

Halbschrängansicht eines Universitätsgebäudes mit einer männlichen Brunnenfigur im Vordergrund
Universität mit nacktem Mann

Restaurants & Cafés in Breslau 

Chinkalnia Restauracja Gruzińska
Georgisches Restaurant u.a. mit Khinkali (georgische Maultaschen) und äußerst zuvorkommenden Kellnern.
Sukiennice 3/4, Breslau 

Vega
Hübsch eingerichtetes vegetarisches Restaurant. Ich habe mir hier etwas den Magen verdorben. Waren bestimmt die Pilze.
Rynek 27a, Breslau

Jolie – Brasserie Cafe
Nettes Café. Super fürs Frühstück.
Kurzy Targ 2, Breslau 

Piekarnia Hert
Bäckerei mit Café. Sehr leckeres Gebäck.
Rynek 46/47, Breslau

Selfie Café
Modernes Café, habe mich auf Cappuccino und Kuchen beschränkt. Kein Selfie.
Kuźnicza 33/1a, Breslau 

Blick auf einen grauen Wohnblock
Es gibt natürlich auch weniger hübsche Ecken

Unterkunft in Breslau 

Corner Hostel (*)
Sehr gute Lage, einfache Zimmer. Nichts für Fans von hygienischen Badezimmern. Oder von Fans von netter Atmosphäre.
ul. Świdnicka 1, Breslau

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