Tokio ist ein Gesamterlebnis
In Tokio ist gefühlt außer Tempeln kaum ein Gebäude älter als Baujahr 1960. So wirkt die Stadt gleichzeitig geschichtslos und modern. Zumal ein echtes Stadtzentrum nicht erkennbar ist, kein Wunder, sind hier doch mehrere Städte zu einer Megacity zusammengewachsen.
Die Größe der Metropolregion Tokio-Yokohama lässt sich kaum erfassen. Vom 634 Meter hohen Fernsehturm Skytree aus betrachtet erstreckt sich Stadtgebiet fast soweit wie das Auge reicht. Rund 38 Mio. Menschen leben hier. Wie dieses System scheinbar reibungslos funktionieren kann, ist mir immer wieder ein Rätsel.

Tokio fühlt sich einerseits wie eine „westliche“ Großstadt an, bietet gleichzeitig aber so viele Mysterien und kleine Dinge, die mich auch bei meinem zweiten Besuch wieder begeistert haben.
Tokio ist alles gleichzeitig. Wuselig und geordnet, hübsch und hässlich.
Ein paar kleine Dinge sind mir aufgefallen, die ganz auf die Bedürfnisse der Menschen abgestimmt sind, Tokio so aber auch für Reisende so zugänglich machen.


Ein Höhepunkt der menschlichen Zivilisation: Japanische Toiletten
Meine Goldene Regel des Reisens lautet: „Nutze jede Toilette, bei deren Öffnen Du Dich nicht sofort vor Ekel übergeben musst – man weiß nie, wann die nächste kommt.“
Dieses Problem gibt es in Tokio nicht. Man kann gar nicht so oft müssen, wie man könnte. An nahezu jeder Metrostation finden sich (saubere) Toiletten mit den für Japan typischen Annehmlichkeiten wie integriertem Bidet und vor allem beheizten Sitzen. Auch an Wickelmöglichkeiten für Kinder und (auch auf Herrentoiletten) Ablagesitze für Kleinstkinder ist gedacht.

Günstig übernachten: Kapselhotels
Wie Kapselhotels funktionieren und was man zu beachten hat, habe ich hier schon einmal festgehalten.
Auch diesmal habe ich diese sehr günstige und durchdachte Form der Übernachtung genutzt. Ich bin ein Fan von Kapselhotels und nutze sie inzwischen weltweit, wann immer möglich.

In Japan sind sie allerdings absolut perfektioniert: Bei der Ankunft bekommt man eine Tragetasche mit Slippern, Schlafanzug, Zahnputzset und Handtüchern. Duschen, Waschmöglichkeiten und Schließfächer sind auf einer anderen Etage untergebracht als die Schlapods, was zu deutlich weniger Störungen im Schlafbereich führt.
Leider sind die Schlafkapseln nicht schalldicht. Laut schnarchende Gäste kann man mit den ebenfalls zur Verfügung stehenden Ohrstöpseln aber weitgehend ausblenden.

Alles um die Ecke: die Konbinis
Konbinis sind kleine – in der Regel 24 Stunden durchgehend geöffnete – Läden, die es fast überall gibt. Familiy Mart, Lawsons und 7-Eleven sind wohl die am häufigsten verbreiteten Ketten.



In den Konbinis bekommt man alles, was man für den (Reise-) Alltag braucht: Snacks, Getränke, Fertiggerichte (die man in den Mikrowellen vor Ort auch gleich aufwärmen kann) und Kleinigkeiten, wie Basiskleidung (einfache Socken, T-Shirts etc. – gut zu wissen, falls das Gepäck mal nicht ankommt) oder Schreibutensilien. Einmal hin, alles drin ist auch hier das Motto.



Hoch automatisiert – im besten Sinne
Vermutlich gibt kaum etwas, was es irgendwo in Japan nicht in Automaten zu kaufen gibt.
Für Reisende besonders relevant: Getränkeautomaten gibt es an jeder zweiten Straßenecke. Aber auch Gepäckfächer (die in Europa immer seltener werden) befinden an vielen Metrostationen (meist ab 600 Yen für sechs Stunden) und allen Bahnhöfen. Auch Schirmverleihautomaten und Auflademöglichkeiten für Smartphones (20 Minuten für 100 Yen, ca. 0,55 Euro) sieht man immer wieder.



Kleine Kunstwerke: das Essen in Plastik
Wir sind ja in Europa ein bisschen darauf konditioniert, dass Restaurants mit bebilderten Speisekarten in der Regel überteuerte Touristenfallen sind. In Japan ist es dagegen absolut üblich, die angebotenen Speisen mit großen Bildern im Schaufenster oder auf Schautafeln darzustellen oder gleich in Plastik nachbauen zu lassen.

Anfangs wirkt das noch ein bisschen seltsam, aber ich habe eine gewissen Faszination für diese Kunstform des Speisen-Marketings entwickelt. Und eines ist ganz klar: Man erkennt schon auf den ersten Blick, was das jeweilige Restaurant zu bieten hat.

Einfach und schnell unterwegs: die Metro
Die Tokioter Metro ist effizient und unglaublich durchdacht. Abgsehen von den fast überall vorhandenen WCs habe ich mich immer wieder über präzise Wegeangaben zu Umstiegsbahnsteigen (looking at you, Metro Paris) und klare Ausschilderungen zu der oft riesigen Anzahl an Ausgängen aus den Stationen gefreut.

Was eigentlich jede Metro der Welt nachmachen sollte: durchnummerierte Stationen. Statt sich den Namen seiner Zielstation merken zu müssen, reicht es, den Buchstaben der Linie und die Nummer zu behalten. Gerade bei Umsteigeverbindungen (die von Google Maps sehr gut ausgegeben werden – auch mit empfohlenem Wagen und Ausgängen zum Ziel) erleichtert das das Leben ungemein.


Spartipp: die Metro Card für Ausländer
Im Vergleich zu Deutschland ist der Nahverkehr bei Einzelfahrkarten sehr günstig. Metrotickets kosten je nach Entfernung zwischen weniger als einem bis unter zwei Euro. Bezahlen kann man bequem mit der Suica Card (erhältlich an allen großen Bahnhöfen und Flughäfen oder für das iPhone auch digital als Suica Mobile Card. Diese Karte lädt man vorher mit einem Wunschbetrag auf und pro Fahrt wird dann automatisch ein Beitrag abgebucht.
Noch günstiger geht es, wenn man sich an den Infoständen der großen Metrostationen (Shinjuku, Shibuya, Ginza uvm.) eine 24- / 48- oder 72-Stunden Metrocard kauft. Wenn man länger als 72 stunden in der Stadt ist, kann man auch mehrere Karten auf einmal kaufen – man muss nur einen Reisepass dabei haben, da diese Tickets nur an Ausländer verkauft werden.

Die kostet je nach Gültigkeitsdauer (ab erster Benutzung) 800, 1.200 bzw. 1.500 Yen (ca. 4,40 / 6,55 / 8,20 Euro) und gilt für alle mit einfachen Buchstaben gekennzeichneten Metrolinien. Für Fahrten in die Transferrechte des Großraums Tokio, wie z.B. nach Shibamata werden Zuschläge fällig.
Nicht nutzen kann man die „S-Bahnen“ von Japan Rail, die alle mit einer Jx-Kombination gekennzeichnet sind ( z.B. die Yamanote-Linie JY).
Bezahlen: bargeldlos ist hier keine Utopie
Eigentlich kann alles und überall mit Karte (bzw. mit dem Mobiltelefon) bezahlt werden. Nur ganz wenige Geschäfte und Restaurants lehnen Barzahlung ab – die haben dann aber auch ein gut sichtbares „Cash only“-Schild aufgestellt.
Ganz auf Bargeld würde ich allerdings nicht verzichten, sonst kommt man vielleicht mal nicht in ein kleines Museum. Theoretisch müsste dies aber möglich sein.

Gut und günstig: das Preisniveau
Für Japanerinnen und Japaner ist das gerade kein Spaß, für Reisende aus dem Euro-Raum hingegen macht der relativ schwache Yen Japan gerade zu einem erschwinglichen Reiseziel.
Gefühlt ist hier alles günstiger als zu Hause. Wer also schon immer mal nach Tokio und Japan wollte, sollte jetzt einen Flug buchen und hinreisen.








